Würdigung aus heutiger Sicht von Prof. Franz Pichler

 

"Die Bücher von Raoul Francé sind heute weitgehend unbekannt und können nur mehr über den Antiquariatshandel erhalten werden. In öffentlichen Bibliotheken sollten sie jedoch noch vorhanden sein. Ein Großteil der Werke von Francé hat schon das biblische Alter von etwa hundert Jahren. Trotzdem sind sie in vielen Teilen für den heutigen Leser noch interessant. Besonders trifft dies auf die Werke zu in denen er die Natur auf Wanderungen erforscht hat, ebenso sind seine Bücher in denen er uns die Pflanzenwelt vorstellt bis heute lesenswert. Im folgenden soll eine kurze Rückschau auf seine Werke versucht werden.
Nach seinen biologischen Studien in Budapest und der ersten praktischen Tätigkeit im Pflanzeninstitut in Deutsch-Altenburg erschien das erste Buch „Der Wert der Wissenschaft“ mit dem er sich von der üblichen akademischen Welt, die er erlebt hatte, distanzierte. Die damals in der Botanik vorherrschende Konzentration auf die Klassifikation der Pflanzen und Tiere und die materialistische Weltauffassung als das damals neueste Resultat einer Welterklärung waren für den jungen Francé keine wissenschaftlich nicht interessant genug und er lehnte sie ab. Francé, der gerade eine Familie gegründet hatte, beschloss eine Einladung nach Deutschland anzunehmen, wo er schließlich in München als Direktor des neu gegründeten Biologischen Institutes und als erfolgreicher Autor von Schriften und Bücher erfolgreiche Jahre verbrachte. In München entstanden wichtige Werke. Die beiden Bücher 
„Die Welt der Pflanzen“ und die „Die Alpen“ sowie die Monographien „Das Edaphon“ und „Die technischen Leistungen der Pflanzen“ sind hier besonders zu nennen. In den Münchner Jahren reiften auch seine philosophisch orientierten Ideen um seinen inzwischen gewachsenen Leserkreis Ratschläge für das Leben zu geben. Diese fanden zuerst in seinem zweibändigen Werk „Bios- Die Gesetze der Welt“ ihren Niederschlag. Jedoch erst mit seinem später verfassten Werk „Das Buch des Lebens- Ein Weltbild der Gegenwart“ gelang es ihm, seine Lebenslehre in allgemein verständlicher Weise zu vermitteln. Raoul Francé wurde in all diesen Jahren nicht müde, um seinen Lesern die von ihm angenommenen psychischen Eigenschaften von Pflanzen zu erklären. Von der Fachwelt der damaligen Botaniker wurde er dafür belächelt, wenn nicht sogar ausgelacht. Natürlich musste man unter der „Seele“ einer Pflanze etwas anderes verstehen als die Seele eines Menschen wie diese in den christlichen Religionen oder der Psyche eines Menschen in der heutigen Medizin. Seelische Eigenschaften einer Pflanze sind nach Francé solche die von einer Pflanze im Rahmen der Evolution erhalten wurden, die jedoch als Ergebnis von den bekannten elementar wirkenden Mechanismen nicht erklärt werden können. Heute hat sich die Systemtheorie solchen Problemstellungen angenommen und gibt Lösung mittels Modellen, die mehrere Ebenen besitzen an. In der Technik sind heute solche Modelle gang und gäbe. Auch ein moderner Computer kann nicht von der Elektronik aus oder von der Bit-Arithmetik aus erklärt werden sondern bedarf Kenntnisse die Architektur betreffend und aus welchen Komponenten diese sich zusammensetzt und wie diese im einzelnen funktionieren. In Dinckelsbühl und in Fortsetzung auch in Salzburg hat sich Raoul Francé mit seinen Werken vor allem als Volksbildner ausgezeichnet. Das bereits angeführte Werk „ Das Buch des Lebens“ mag, was die philosophische Seite betrifft, in dieser Hinsicht dafür als sein wichtigstes Werk angesehen werden."
 
 

 

 

Raoul H. France und Annie France-Harrar von Siegfried Lübke

 

Das Wissenschaftlerehepaar Raoul H. Francé und Annie Francé-Harrar bereiste gemeinsam jahrelang die verschiedensten Länder auf allen Kontinenten dieser Erde und untersuchte die Vorgänge ihres natürlichen Milieus sowie speziell das dort vorhandene Bodenleben.

Draußen, in der freien Natur.

Nach dem Tode ihres Mannes (†1943) veröffentlichte Annie Francé-Harrar 1950 als große Zusammenfassung ihrer jahrzehntelangen gemeinsamen Forschungen das umfassende Werk 

Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not.

Darin wird zum ersten Mal über große historische Zeiträume hinweg der Zusammenhang und die Wechselwirkung zwischen Wald, Wasser, Luft, Humus beschrieben.
Sie weist darin nach, daß die Fruchtbarkeit der Erde von Mikroorganismen im Humus abhängt und stellt fest, daß bisher auf dem ganzen Erdball nur Humusverbrauch stattgefunden hat und damit eine stetige Verminderung der Fruchtbarkeit der Böden. Künstliche Düngung kann diesen Niedergang der Fruchtbarkeit nicht aufhalten und die mechanische Bearbeitung des Bodens beschleunigt diesen Rückgang sogar noch.

Ihr Fazit: Der stetige Rückgang der ursprünglichen Waldgebiete hat auch einen stetigen Rückgang der Humusschicht zur Folge, die allein das Wachstum der Pflanzen und insbesondere der Kulturpflanzen bewirkt.

Nur der Mischwald mit seiner vielfältigen Flora und Fauna und insbesondere den dort vorkommenden Mikroorganismen kann fruchtbaren Humus hervorbringen -sogar mehr als er selber verbraucht.

Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not besteht also in der Wiederherstellung der natürlichen Wälder und dem damit einhergehenden Humusaufbau der den fruchtbaren, gesunden und nachhaltigen Anbau unserer Kulturpflanzen ermöglicht.

Francé-Harrar setzte die mit ihrem Mann begonnenen Forschungen alleine fort und widmete sich verstärkt auch den praktischen Anwendungen ihrer Erkenntnisse beim Humusaufbau in der Landwirtschaft, u.a. in Mexiko.

Ihre Erfahrungen und Ergebnisse veröffentlichte sie in dem Werk 

Humus. Bodenleben und Fruchtbarkeit.

Darin beschreibt sie die Zusammensetzung des Naturhumus und dessen Entstehung: 
"Leben wird aus dem Stein".
Sie untersucht, wie der durch die Landwirtschaft verbrauchte Humus ersetzt werden kann und beschreibt Methoden zur Produktion von lebendigem Humus, der die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten und zu verbessern vermag. Ihre Vorgehensweise stützt sich auf eine veränderte Landwirtschaft, die "nach den Gesetzen des lebendigen Bodens" arbeitet und sowohl Erntesteigerung als auch Bodenschutz beinhaltet. Statt einer maschinentechnisch und chemisch basierten Landwirtschaft plädiert sie für eine Organisation der Humuswirtschaft, die als eine ökologische Kreislaufwirtschaft alle organischen Stoffe mit einbezieht.

Ihr ganzes Leben lang hat Annie France-Harrar das mikrobielle Bodenleben nicht nur nach Arten und Gattungen der Lebewesen im Boden, sondern auch in ihren zeitlichen Abläufen mit mikroskopischen und fotografischen Mitteln genau untersucht und sogar mit zahllosen eigenen Zeichnungen festgehalten.

Man kann nur erahnen, wie viel Mühe und Arbeit in diesen Zeichnungen stecken muß, wenn man bedenkt, daß man nur für nur eine Zeichnung oft Stunden benötigt. Heute gibt es moderne Mikroskope mit allen technischen Finessen und wir können unsere Bodenzusammensetzung mit unserem Interferenz- und Fluoreszenzmikroskop innerhalb einiger Minuten feststellen.

Wir waren entsetzt als uns einmal eine Praktikantin erzählte, daß sie von diesem Bodenleben ihrem landwirtschaftlichen Lehrer berichtete, worauf dieser sie grob anfuhr: "Bakterien, was haben denn die im Boden zu tun ?". Anno 2003. In der Bundesrepublik Deutschland.

Auch heute noch hat der überwiegende Teil der Landwirte - weltweit! - überhaupt keine Vorstellung vom Bodenleben und seiner Wichtigkeit für den Humusaufbau.

Auch nicht im Biolandbau.

Man glaubt "Bio" zu sein, wenn man keinen Kunstdünger, keine Pestizide und keine Herbizide verwendet, sondern nur Wirtschaftsdünger, Mist und Gülle.

Aber vom Bodenleben wird kaum gesprochen. Oder von der zerstörerischen mikrobiologischen Auswirkung des Stallmistes und der Gülle auf die Umwelt und die Böden, wie man in den Büchern von 
Raoul H. France und Annie France-Harrar nachlesen kann.

Ihr letztes Werk hat Annie France-Harrar 1959 fertiggestellt:


"Handbuch des Bodenlebens"


Es faßt all ihre Erfahrungen und die ihres Mannes und die Resultate des Studiums der lebendigen Umwelt und des Humus zusammen.

Ihr Fazit am Ende des Buches:

Alle Tests, die aufgrund von Laboratoriumszüchtungen durchgeführt werden, 
sind für das natürliche Bodenleben nicht zu gebrauchen.
Das sollte man sich mit großen Buchstaben an seinen Arbeitsplatz schreiben.

Unter Laborbedingungen sind alle gezüchteten Mikroben gezwungen, entnatürlicht, 
unter künstlich zurechtgemachten Lebensbedingungen zu existieren, die es so 
im Freiland nicht gibt und auch niemals geben kann.
Sie werden in der Laborumgebung Eigenschaften und Anpassungen entwickeln, 
die sie unter den ursprünglichen, natürlichen Verhältnissen nicht besitzen.
Man darf solche, unter speziellen Verhältnissen hervorgebrachte Eigenschaften 
aber nicht ohne weiteres auf Freilandorganismen anwenden oder sie ungeprüft 
bei ihnen voraussetzen.
Tut man es dennoch, so erhält man ein völlig falsches Bild, vor allem in Hinblick 
auf das soziale Zusammenleben und seiner Voraussetzungen.
Ich kann aus meinen langjährigen Erfahrungen nicht ernsthaft genug davor warnen.

Bei meinem letzten Besuch vor ihrem Tode verwies sie noch einmal nachdrücklich 
darauf, daß wir die Grundlagen und Abläufe des Lebens in der Natur nur dann 
verstehen, wenn wir sie auch in der freien Natur erforschen;

"Es gibt keinen anderen Weg" sagte sie.

Siegfried Lübke 2010; Kommenar zu "Handbuch des Bodenlebens

 

 

 

Nachruf Obituary von Dr. Eberhard Spohn

 

 

Obituary

 

From: Dr. Johann Georg Schnitzer Sent: Wednesday, November 01, 2006

 

"Jodmangel in der Nahrung wird - eben so wie der Mangel an anderen

Spurenelementen und Mineralstoffen - begünstigt durch falsche

landwirtschaftliche Methoden, vor allem durch mineralischen Kunstdünger und

Fäkaliendüngung. Kropf tritt vor allem dort auf, wo Mist und Jauche auf die

Felder ausgebracht werden und deren lösliche Mineralien (Nitrate, Nitrite)

und die durch anaerobe Fäulnisprozesse entstandenen Faulstoffe das Grund-

und Quellwasser kontaminieren.

 

Das Beispiel zeigt, wie klug die schon im alten China entwickelte Methode

des Kompostierens von Siedlungsabfällen war, welches durch die aerobe (den

Luftsauerstoff nutzende) Verrottung die Bildung von Faulstoffen ebenso

verhindert wie es Mineralstoffe und Spurenelemente organisch bindet und so

in den biologischen Kreislauf zurückführt. Hat der teilweise Jodmangel in

China mit der Vernachlässigung der Kompostierung in jüngerer Zeit zu tun? Es

war das Verdienst von Dr. Eberhard Spohn (1906 – 1981), Zementwerke Blaubeuren,

diese Kompostierung von Siedlungsabfällen durch Entwicklung entsprechender Anlagen

wieder einzuführen und zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit nutzbar zu

machen."

 

 

 

In memoriam: Raoul Heinrich Francé (1874-1943) von Thomas Caspari

In memoriam: Raoul Heinrich Francé (1874-1943)

 

 

 

Über Herrn Reinhold Bantle

 

Vor über 60 Jahren hat Herr Bantle, Oberndorf-Höchmössingen, Schwarzwald, durch Frau Erna Fock, Hamburg, von den dem Buch Annie Francais-Harrar, Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not, Kenntnis bekommen.
Die darin veröffentlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Wald, Wasser, Luft, Humus, Mikroorganismen und Fruchtbarkeit der Böden hat er zur praktischen Leitlinie für sein Leben und den Umgang mit der ihm anvertrauten Natur gemacht.
Seit über 60 Jahren bewirtschaftet er einen von ihm neu angelegten, standortgemäßen natürlichen Mischwald nach den Erkenntnissen des wissenschaftlerehepares Raoul H. France und Annie Francais-Harrar.
Nach den gleichen Richtlinien pflegt er den ererbten, mehrere hundert Jahre alten, ursprünglichen schwarzwaldtypischen Mischwald seiner Famile.
Heute können diese Wälder als gelungenes praktisches Beispiel für generationenübergreifende, nachhaltige Waldbewirtschaftung und gesunden Humusaufbau dienen.
Als zweite herausragende Lebensleistung von Herrn Bantle ist sein Engangement für die Wiederveröffentlichung des Werkes von Annie Francais-Harrar, Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not, zu nennen.
Aufgrund seiner Initiative und unter Einsatz auch eigener persönlicher Mittel wurde dieses Buch nach über 60 Jahren wieder neu aufgelegt und so ein jahrzehntelang nicht zugängliches Wissen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.
Dies ist von unschätzbarem Wert für die Arbeit aller ökologisch orientierten Menschen, da damit wieder eine Möglichkeit der Information und Verbreitung der originalen wissenschaftlichen Erkenntnisse von Annie France-Harrar zur Verfügung steht, wie sie so umfassend in keinem anderen Werk bis heute dargestellt werden.
In diesem Jahrhundertwerk gelingt es Annie France-Harrar die Entwicklung von Wald und Humus in großen historischen Zeiträumen einerseits zu verknüpfen mit den Abläufen und Veränderungen im mikroskopischen Maßstab bei den Kleinlebewesen und Mikroorganismen in der lebendigen Erde andererseits.

Geologische Veränderungen und Katastrophen im erdgeschichtlichen Maßstab oder massenhaftes Auftreten von neuen vorher unbekannten Krankheiten, "Plagen", Seuchen oder Epedemien werden durch ihre im Detail aufgezeigten Wirkungszusammenhänge verständlich als Folge des Eingriffes des Menschen in das natürliche Gleichgewicht von Wald und Humus.
Darüber hinaus ist es eine unverzichtbare theoretische Grundlage für den Zusammenhang zwischen Waldentwicklung und Humusaufbau, der jetzt wieder zur Verfügung steht - auch für die praktische Arbeit.
Herr Bantle ist eine herausragende Einzelpersönlichkeit, die sich uneigennützig in den Dienst einer Sache gestellt hat: der Erhaltung von Wald, Humus und Bodenfruchtbarkeit und damit der Erhaltung der Grundlagen für eine gesicherte Nahrungmittelversorung und der Möglichkeit einer Zukunft ohne Hunger und Not.

Dieses Thema hat er unermüdlich gegen jede Widerstände und aktuelle kurzfristige Zeitströmungen über Jahrzehnte hinweg erfolgreich in zahllosen persönlichen Begegnungen und in der Öffenlichkeit kommuniziert.
Trotz seines hohen Alters hat Herr Bantle bis heute nicht aufgehört, an seinem Lebenswerk weiterzuarbeiten - und, wenn es sein muß, auch dafür zu streiten.
Viele Menschen hat Herr Bantle schon von der Notwendigkeit einer weltweiten Wald- und Humuspflege überzeugt und viele Menschen kommen persönlich zu ihm, um an seinen Erfahrungen teilzuhaben und ihm bei seiner täglichen Arbeit im Wald und bei seiner Öffentlichkeitsarbeit zu helfen.

 

Der Waldvater   (Video)